video-COOKINK- Christoph Mayer und Josef Kleindienst

Rollentausch

 

Die jüngste Entwicklung in Christoph Mayers Arbeit manifestiert sich in 
einer Kombination aus Aquarell und Text, die auf der Zusammenarbeit mit dem Autor und Schriftsteller Josef Kleindienst beruht. Anlässlich der Arbeit an einer gemeinsamen Ausstellung im April 2018 begannen Mayer und Kleindienst die Möglichkeiten auszuloten, wie der narrative Text in den bildkünstler-ischen Kontext einzubringen sei. Welchen Einfluss hat dieser auf die Malerei? Wie verändert, entfremdet, erweitert, er diese? Soll der Text die Malerei erklären, sie in Frage stellen oder ad absurdum führen? Die praktische Annäherung erfolgte in Form eines Experiments, das für beide einem Sprung ins kalte Wasser gleichkam: der Rollentausch. Denn obwohl der Maler und Objektkünstler Mayer, mit theoretischer Textverfassung vertraut, bereits Textfragmente in frühere Arbeiten einfliessen ließ und auch Texte illustrierte, war ihm das Erzählen von Geschichten im Textformat gänzlich fremd.
 
Die von Kleindienst aquarellierten A4 Bögen wurden in eine, aus den 1930er Jahren stammenden Erika Schreibmaschine eingespannt, woraufhin die 
Arbeit Mayers begann. Der Prozess des Schreibens wurde spontan angelegt. Das Aquarell gab den Rahmen vor, der Text entstand im Moment; frei, assoziativ und wild. Die Fehlerkorrektur war untersagt, es blieb die Relativierung des Vorangegangenen mit dem nächststehendem Satz. Am Ende des Blattes musste auch der Text sein Ende finden. Jedes Blatt entwickelt so seine eigene Dynamik.
Die Arbeiten ‚Wenn die Zeit sich neigt‘ und ‚Serifen-Kack-Alphabet‘ unterscheiden sich von jenen, gemeinsam mit Kleindienst gefertigten Arbeiten - ‚Bürgerlicher Dämmerungsverlauf‘ ‚Ein spezifischer Gefühlszustand‘ ‚Wissenschaftliche Erkenntnis‘ - durch ein wesentliches Detail: das gesamte Blatt entstammt der Feder Mayers. Die Methode wurde demnach verändert und Mayer, der nun auch selbst das Aquarell schuf, überlegte sich die zu erzählende 
Geschichte bereits bevor er mit der Bearbeitung des Blattes begann. Spontanität und Assoziation wichen eingehender Überlegung und Planung.
Christoph Mayer fügt mit dieser Werkgruppe seinem vielschichtigen Œuvre eine weitere Ebene hinzu; der Künstler wird zum Geschichtenerzähler und pendelt mit seinen Bild-Texten humorvoll zwischen Realität und Fiktion.
           
(Martina Schachner, Galleriacontinua, Paris)