THE SUN HAS BEEN DRAWING, NOT ME

notgalerie, Aspern Nord, 1220 Wien

Plan Brut: Rainer Stadlbauer

In der ersten Phase der Notgalerie am Ulanenweg begegnet der von Reinhold Zisser gegründete Ort seiner virtuellen Konstruktion in Form eines Bildgestells. Das Gestell kokettiert dabei mit seinem potenziellen Gebrauchswert. Es verweist auf seinen nicht eingelösten Status der Nutzbarkeit. Mit der Notgalerie wurde auch der Plan Brut nach Wien Aspern transloziert, um dort gemeinsam mit anderen Interventionen das urbane Feld zu besetzen. In der dritten Phase wird das Gestell zum überdimensionalen Bildträger für eine Arbeit von Christoph Mayer. Zugleich wird die in den Phasen davor etablierte Distanz zum Gebäude der Notgalerie aufgegeben.

 

The sun has been drawing, not me: Christoph Mayer

Auf der südseitigen Außenwand der Holzkirche und Notgalerie wird dieses 4 x 16 Meter große Holzgerüst montiert und mit hellblauem Leinenstoff bespannt. Auf dieser, der Sonne zugewandten Fläche von 64 Quadratmetern ist eine Art metaphysische Bleichzeichnung zu sehen, die die Vermutung nahe legt, dass hier nicht ein Künstler Hand angelegt hat, sondern die Sonne selbst sich in ungewohnt abgelenkter und individualisierter Strahlform verwirklicht hat.

 

Der bürgerliche Dämmerungsverlauf (Text im Bild)

 

Während des “Bürgerlichen Dämmerungsverlaufes” kommt es immer wieder zur Ausprägung optischer Phänomene, die sich nicht länger rein wissenschaftlich deuten lassen, erklärte mir unlängst ein Absolvent der TU-Wien am Kinderspielplatz im Resselpark. Die Anlage, welche beidseitig begehbar ist, ist immer wieder Dreh- und Angelpunkt bahnbrechender Erkenntnisse, die sich lauffeuerartig über den gesamten Erdball verbreiten. Ganz gespannt wartete ich auf weitere Ausführungen, als ich bemerken musste, dass der TU-Absolvent und zweifache Kindsvater den Spielplatz bereits wieder verlassen hatte. Ich dachte mir, vielleicht findet hier am Kinderspielplatz ein Geheimtreffen mit Themenschwerpunkt statt, an dem sich Eltern treffen, die Koriphäen im Bereich atmosphärischer Optik sind. In den folgenden zwei Stunden konzentrierte ich mich darauf, Gesprächsfetzen von sich unterhaltenden Elternteilen aufzuschnappen. Ich erfuhr von der Existenz sogenannter “Mondregenbögen”. Einer dieser wurde von einem Diskutanten in Simbabwe bei den Viktoriafällen beobachtet. Über Lichtbüschel, Halo-Erscheinungen und Brockengespenster wurde gesprochen. Aber immer wieder wurde vor allem über ein Thema diskutiert;”Der bürgerliche Dämmerungsverlauf”. Offensichtlich versteht man darunter, den Stand der Sonne unterhalb des Horizonts während der Dämmerungsphase. Der Mittelpunkt der Sonne befindet sich in dieser Phase maximal sechs Prozent unter dem Horizont!

Bei allen Meinungsverschiedenheiten, die unter diesen “Atmosphärikern” herrschten, in diesem Punkt waren sich alle einig; Der Abstand der Sonne zum Horizont unterhalb desselbigen, begann sich während der “Bürgerlichen Dämmerung” von Tag zu Tag zu vergrößern, und wir sprechen hier von der Morgendämmerung!! Eigentlich müsste sich der Abstand verringern, damit es überhaupt zu einem Sonnenaufgang kommen kann! (Christoph Mayer)

 

Video: Ausstellungsabbau - THE SUN HAS BEEN DRAWING, NOT ME